Voy: 46
"The Swarm" (Der Schwarm)

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Staffel3
45: "The Chute"
47: "False Profits"

szenenbild
US-Erstsendung:
25.9.1996

SAT1-Erstsendung:
22.5.1998

Regie:
Alexander Singer

Drehbuch:
Michael Sussman

Musik:
Dennis McCarthy

Kamera:
Marvin Rush A.S.C.

Gaststars:

Robert Picardo
als Lewis Zimmerman

Carole Davis
als Diva

Inhalt:

Paris und Torres sind mit einem Shuttle unterwegs, als ihr Flug von einem Tachyonenfeld abrupt gestoppt wird. Zwei Außerirdische materialisieren vor ihnen, sprechen eine unverständliche Aliensprache und schießen ohne Warnung.

Der Doktor übt sich im Singen von Arien, als er auf die Krankenstation gerufen wird, wo er Tom Paris und B'Elanna Torres verarzten soll. Die beiden Aliens hatten eine neurale Waffe abgefeuert, die vor allem Tom Paris ernste Verletzungen zufügte. Tuvok berichtet, er habe ein Subraumsignal aufgefangen, das sich aber nicht dekodieren läßt. Außerdem wurde ihnen eine Art Karte zugeschickt, bei der es sich um etwas wie eine Gebietsangabe handeln könnte. Offenbar wollen die Fremden, daß sich die Voyager aus ihrem Bereich fernhält. Es würde aber 15 Monate Zusatzflug bedeuten, würde man um das Gebiet einen Bogen machen.

Als der Doktor Paris operieren will, kann er sich an einzelne Behandlungsschritte nicht mehr erinnern. Torres untersucht den Doktor und stellt fest, daß sein Erinnerungsspeicher auseinanderfällt. Als medizinisches Notfallprogramm hätte er ohnehin nie länger als 1500 Stunden aktiviert sein dürfen. Zwar hatte vor zwei Jahren Torres seinen Speicher vergrößert, doch nun scheint er instabil geworden zu sein. Man könnte das Programm des Doktor neu booten, dann hätte er aber alles, was er in den letzten zwei Jahren erlebte, vergessen. Kes überzeugt Janeway, daß man es dem Doktor schuldig sei, nach einer anderen Möglichkeit zu suchen.

Chakotay und Kim entwickeln einen Plan, wie man unbemerkt durch das Sensorennetz der Aliens fliegen kann.

Torres aktiviert auf dem Holodeck das Diagnose-Programm für den Holodoc. Dr. Zimmerman selbst erscheint als Ebenbild des Holodocs, um Torres' Fragen zu beantworten. Er kann ihr aber auch nicht weiterhelfen und meint nur, man könne den Speicher des Holodocs nicht einfach erweitern, sie müsse ihn neu starten und das wahrscheinlich alle zwei Jahre. Zimmerman ist entsetzt, als er die seiner Ansicht nach völlig unnötigen Speicherinformationen im Gedächtnis des Holodocs entdeckt. Inzwischen ist der Gedächtnisverlust des Holodocs so schlimm, daß er nicht einmal Kes wiedererkennt.

Die Voyager dringt in das verbotene Gebiet ein und trifft bald auf den Schwarm, eine Ansammlung von Tausenden von Schiffen. Man findet einen schwerbeschädigten Frachter. Es gibt nur einen Überlebenden, der vor seinem Tod von dem Schwarm und dem gnadenlosen Angriff erzählt. Plötzlich löst sich ein Schiff des Schwarms von der Hülle des Frachters und feuert etwas auf die Voyager, das die Schilde zum Leuchten bringt. Plötzlich bewegt sich der gesamte Schwarm Richtung Voyager.

Der Holodoc kann sich an so gut wie nichts mehr erinnern, seine Konturen lösen sich auch auf. Kes begibt sich daraufhin zum Diagnoseprogramm im Holodeck. Zusammen mit Dr. Zimmerman entwickelt sie den Plan, die unbeschädigte Matrix des in vielfacher Hinsicht mit dem Holodoc identischen Diagnoseprogramms in einer Art digitalen Knochenmarkspende in das Programm des Holodocs einzuarbeiten, um es zu stabilisieren. Zimmerman ist einverstanden und erarbeitet ein Programm, es kann aber sein, daß der Holodoc bei einem Neustart trotzdem alle Erinnerung verloren hat.

Der Schwarm erreicht die Voyager. Die kleinen Schiffe legen sich wie Blutegel auf die Außenhülle der Voyager und saugen dem Schiff die Energie ab. Die Schiffe feuern interferometrische Impulse auf die Voyager ab. Diese Impulse bilden mit den anderen Schiffen eine Art Gitter, was Janeway vermuten läßt, daß es vielleicht eine Kettenreaktion auslöst, wenn es gelingt, ein Schiff zu zerstören. Doch immer, wenn man auf die Schiffe feuert, wird der Phaser auf die Voyager zurückgeworfen. Nachdem man die Polarisation der Schilde der Voyager so einstellt, daß sie die reflektierte Phaserenergie abstoßen, gelingt es, ein Schiff des Schwarms zu zerstören. Die Kettenreakton tritt tatsächlich ein und viele der Schiffe explodieren. Die anderen ziehen sich zurück.

Der Holodoc wird wieder aktiviert, doch er kann sich an nichts erinnern. Kurze Zeit später summt er jedoch die Opernarie. So nach und nach kommen also seine Erinnerungen wieder zurück.

Kritik:

"The Swarm" enthält zwei Handlungsstränge, die temporeich inszeniert und geschickt miteinander verschachtelt sind, gegen Ende aber durch eine banale Technobabble-Auflösung schwer enttäuschen.

Dies ist schon die zweite Episode hintereinander, in der die Lösung kämpferisch erreicht wird. In "The Chute" werden Kim und Tom gewaltsam aus dem Gefängnis befreit, hier wird der Schwarm mit Hilfe der mit Technikkauderwelsch etwas veränderten Schilde durch einen Phaserschuß besiegt. Hier soll jetzt nicht wieder die Arie erklingen, was in Star Trek sein darf und was nicht, das Problem ist nämlich ein ganz anderes: Solche Auflösungen sind schlicht unoriginell und daher langweilig. Schon der angeblich so kämpferische Kirk hat in der Classic-Serie so manchen Computer zu Tode argumentiert und nicht einfach vernichtet, aus dem einfachen Grunde, weil die zweite Variante vollkommen witzlos gewesen wäre. Die Auflösung von "The Swarm" war außerdem noch extrem unglaubwürdig. Der Sieg konnte letztlich viel zu einfach errungen werden, es ist kaum vorstellbar, daß das zuvor noch keinen anderen Schiff geglückt sein soll. (Abgesehen davon, daß ich das ganze Vorgehen eh nicht verstanden habe, denn erst hieß es, die Schilde seien auf Null gesunken, und dann hat Janeway die Polarisierung der Schilde umgedreht...)

Gleiches gilt für das Problem des Holodocs, das mit Technikgeschwafel reinsten Wassers gelöst wurde. Hier fällt es mir genauso schwer, nachzuvollziehen, was da genau gelaufen ist, denn auch wenn sich gegen Ende die Gestalt des Holodocs langsam auflöste und hier die Matrix des Diagnoseprogramms nützlich sein kann, wie soll diese identische Matrix das Problem mit dem überlasteten Speicher lösen?

Interessant ist das Ende, als der Holodoc zunächst tatsächlich alle Erinnerungen verloren zu haben scheint, dann aber die Oper zu summen beginnt, die er zu Beginn der Episode auf dem Holodeck gesungen hat. In "Future's End Part 2" wird noch einmal erwähnt, daß der Holodoc immer noch an dem langwierigen Prozeß arbeitet, seine Erinnerungen wiederherzustellen. Später gab es jedoch keine Hinweise mehr auf irgendwelche Gedächtnislücken.

Der immer umfangreicher werdende Erinnerungsverlust des Holodocs wurde vielfach als Parabel auf die Alzheimer Krankheit angesehen. Ich würde einen Vergleich mit dieser schlimmen Krankheit nicht zu weit treiben. Sollte das ganze wirklich eine Anspielung auf Alzheimer gewesen sein, muß man leider erkennen, daß die Umsetzung zu humorvoll ist, um als geglückt betrachtet werden zu können.

Etwas befremdlich ist auch Janeways schnelle Entscheidung, das fremde Gebiet zu durchqueren. Jeri Taylor hatte ja schon vor der dritten Staffel angekündigt, der Janeway-Charakter würde mehr Richtung Kirk gehen. Abgesehen davon, daß das nun wirklich nicht die optimale Methode ist, um für die Janeway-Figur einen eigenen Stil zu entwickeln (Janeway soll sich nicht wie Kirk, sie soll sich wie Janeway verhalten), der Widerspruch zu früheren Episoden ist doch enorm. In "Prime Factors" (dt.: Das oberste Gesetz) hatte sich Janeway noch geweigert, ein Gerät zu kaufen, das vielleicht den kompletten Heimflug ermöglicht hätte, weil sie dann gegen das Gesetz der Planetenbewohner verstoßen hätte. Hier ignoriert sie die ausdrückliche Anweisung, einem Gebiet fernzubleiben, um eine Flugzeit von 15 Monaten zu sparen. Vergessen scheint auch die schöne Ansprache von Janeway in "Alliances" (dt.: Allianzen), das wichtigste seien die Prinzipien der Föderation. Als Tuvok darauf hinweist, nach dem Gesetz der Sternenflotte müsse man dem Gebiet fernbleiben, meint Janeway nur lapidar, daß die Föderation weit entfernt sei. Im Grunde ist gegen eine Entwicklung zu einem etwas freieren Umgang mit den Regeln der Sternenflotte nichts einzuwenden, im Gegenteil, es wäre nur logisch, wenn sich Janeway allmählich zu der Erkenntnis durchgerungen hätte, daß die Regeln der Sternenflotte in der außergewöhnlichen Situation, in der sich die Voyager befindet, nicht immer funktionieren. Das würde auch die Eigenständigkeit von "Star Trek - Voyager" enorm erhöhen. Nur ist hier keine Entwicklung zu dieser Erkenntnis zu sehen, vielmehr handelt es sich bei Janeways Verhalten um einen ziemlich abrupten Charakterumschwung.

"The Swarm" hat natürlich auch eine ganze Reihe sehr positiver Elemente. Das ebenfalls von Robert Picardo gespielte Diagnoseprogramm ist sehr vergnüglich. Auch technisch sind die beiden Picardos hervorragend zusammengefügt worden, man vergißt teilweise völlig, daß es sich hierbei um einen Trickeffekt handelt, wenn die beiden Figuren gemeinsam im Bild zu sehen sind. Hier spricht der Holodoc auch erstmals über seine Glatze, denn als sich das Diagnoseprogramm als noch unfreundlicher erweist als der Holodoc, meint Torres zum Holodoc: "I can see where you got your charming personality." Der Holodoc erwidert: "Not to mention my hairline." (dt.: Ich erkenne jetzt, wo Sie ihre charmante Persönlichkeit herhaben. - Von meinem Haarwuchs gar nicht zu reden.) Der echte Zimmerman ist übrigens in der DS9-Episode "Dr. Bashir, I Presume" zu sehen.

Auch wurde in einigen interessanten Dialogen erörtert, was der Holodoc eigentlich ist. Während Kes fest daran glaubt, daß er eine eigene Persönlichkeit entwickelt hat, versucht sie das Diagnoseprogramm davon zu überzeugen, daß alle Emotionen und Verhaltensweisen, die der Holodoc zu haben scheint, nur eine Simulation sind. Hinter dem Holodoc stecke kein Charakter, der Holodoc bestehe nur aus trockenen, mathematischen Algorithmen. Ein interessanter Aspekt, der ja nach wie vor ungelöst ist. Ist der Doc wirklich ein Wesen mit Bewußtsein, oder ist er nur eine sehr ausgefeilte Holodeck-Figur, die menschliche Verhaltensweisen perfekt imitiert und uns eine eigene Persönlichkeit nur vortäuscht.

Recht kurzweilig ist auch der Anfang der Episode. Wir sehen den Holodoc, wie er die Arie "O Soave Fanciulla" aus der Verdi-Oper "La Boheme" singt und wegen eines verspäteten Einsatzes von der Operndiva Josephina Pentangeli ziemlich runtergemacht wird. ("You're lagging behind like a tired donkey!" - dt.: Du hinkst hinterher wie ein müder Esel!) Besonders erfreulich ist, daß es sich bei dem Gesinge des Holodocs nicht nur um einen überflüssigen Einleitungsgag handelte, sondern um einen wichtigen Bestandteil der ganzen Episode. Erstaunlich, aber wahr: Robert Picardo hat die Arie tatsächlich selbst gesungen.

Natürlich ist auch der Schwarm eine recht originelle Idee. Der Schwarm hätte einen bei weitem originelleren Dauergegner abgegeben als die Kazon oder Vidiianer. Natürlich wurden die unzähligen kleinen Schiffe mit dem Computer erzeugt, doch als sich der Schwarm auf die Außenhülle der Voyager setzt, sah das leider nicht allzu überzeugend aus. Die Computergraphik war doch zu deutlich als solche erkennbar.

Diese Episode markiert den Beginn der Liebesbeziehung zwischen Tom Paris und B'Elanna Torres. Die Tom/B'Elanna-Beziehung wird sich durch die ganze dritte Staffel ziehen und in der vierten Staffel wohl ihren Höhepunkt erreichen, denn so lange muß man warten, bis die beiden es endlich in der Episode "Day of Honor" wagen, sich ihre Liebe einzugestehen.

Das Holoprogramm "Sandrine's Bar" ist hier zum letzten Mal zu sehen. Es taucht in der gesamten dritten Staffel nicht mehr auf.

Janeway erwähnt, sie habe die "High School" besucht. Offenbar hat sich das amerikanische Schulsystem durchgesetzt und besteht im 24ten Jahrhundert immer noch. (Auch nicht gerade sehr einfallsreich von den Autoren.)

Seltsam war, daß sich der Holodoc vor der Operation die Hände desinfiziert. Nun kann man lange darüber streiten, ob sich eine holographische Figur die Hände desinfizieren muß, doch mit Hilfe der Star Trek-Technik dürfte es ohnehin kein Problem sein, innerhalb des Operationsbereichs alle Keime abzutöten. Ein Arzt muß sich also sicher nicht mehr extra die Hände säubern.

"The Swarm" ist eine zweischneidige Sache. Die Episode hat viele sehr geglückte Szenen, einige davon außergewöhnlich witzig, andere überdurchschnittlich spannend. Ein Jammer, daß die etwas unglaubwürdige Ausgangsituation um Janeways überstürzten Entschluß und das völlig enttäuschende Ende den ansonsten positiven Eindruck so extrem mindern. "The Swarm" hätte das Zeug zu einem Highlight gehabt.

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Letztes Update:
19. Februar 1998

©1998 Thomas Höhl.